Due Diligence beim Unternehmenskauf in Österreich

Wer ein Unternehmen kauft, ohne es vorher gründlich zu prüfen, geht ein Risiko ein, das sich in Zahlen oft erst nach dem Closing zeigt. Die Due Diligence beim Unternehmenskauf ist kein bürokratischer Formalismus, sondern das zentrale Instrument, um versteckte Risiken aufzudecken, den Kaufpreis realistisch zu bemessen und die Vertragsgestaltung auf eine solide Grundlage zu stellen. In Österreich gelten dabei besondere gesellschaftsrechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen, die eine sorgfältige Prüfung unverzichtbar machen. Dieser Beitrag fasst zusammen, was Käufer und Verkäufer über die Due Diligence wissen müssen, welche Prüfungsarten es gibt und wie der Ablauf in der Praxis aussieht.

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Was ist eine Due Diligence beim Unternehmenskauf?

Der Begriff „Due Diligence“ stammt aus dem angloamerikanischen Rechtsraum und bedeutet wörtlich übersetzt „gebotene Sorgfalt“. Im Kontext von Unternehmenskäufen und -zusammenschlüssen bezeichnet die Due Diligence eine umfassende, systematische Prüfung des Zielunternehmens vor Abschluss der Transaktion. Dabei werden alle wesentlichen rechtlichen, wirtschaftlichen, steuerlichen und operativen Aspekte des Unternehmens analysiert.

Im Prozess einer Unternehmensübernahme oder Fusion ist die Due-Diligence-Prüfung von entscheidender Bedeutung. Bei dieser Prüfung werden alle wichtigen Aspekte des Zielunternehmens, einschließlich seiner rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Aspekte, genauestens analysiert. Die Durchführung einer Due Diligence wird in der Regel von externen Beratern übernommen und abhängig von verschiedenen Faktoren, wie der Größe des Zielunternehmens und seinem Geschäftsbereich, kann der Prüfumfang variieren.

In Österreich wird die Due Diligence nicht durch ein einzelnes Gesetz geregelt. Sie ergibt sich vielmehr aus allgemeinen Sorgfaltspflichten, insbesondere aus § 25 GmbHG (Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns) und § 84 AktG. Für die Geschäftsführung der Erwerbsgesellschaft ist die Durchführung einer ordnungsgemäßen Due Diligence Teil der gesetzlichen Sorgfaltspflicht. Wer als Geschäftsführer ein Unternehmen erwirbt, ohne es zuvor angemessen geprüft zu haben, riskiert eine persönliche Haftung gegenüber der eigenen Gesellschaft. Weitere Informationen zum Unternehmenskauf und M&A finden Sie auf unserer Schwerpunktseite.

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Rechtliche Grundlage Die Due Diligence ist in Österreich gesetzlich nicht explizit vorgeschrieben, ergibt sich aber aus den Sorgfaltspflichten der Geschäftsführung (§ 25 GmbHG, § 84 AktG). Wer ein Unternehmen ohne angemessene Prüfung erwirbt, kann persönlich haftbar werden.

Der Mehrwert einer Due Diligence beim Unternehmenskauf

Die Due Diligence ist ein entscheidender Schritt bei Unternehmenskäufen und -zusammenschlüssen. Doch warum ist sie so wichtig? Die Antwort liegt in mehreren konkreten Vorteilen, die eine sorgfältige Prüfung mit sich bringt.

Transparenter Überblick über das Zielunternehmen

Einer der Hauptgründe für die Durchführung einer Due Diligence ist, dass sie einen transparenten Überblick über das Zielunternehmen bietet. Man erhält Einblicke in die Stärken, Schwächen und Risiken des Unternehmens. Dies ist entscheidend, um fundierte Entscheidungen zu treffen und sich vor unvorhergesehenen Überraschungen zu schützen.

Individuell angepasste Vertragsgestaltung

Ein weiterer Vorteil der Due Diligence ist, dass sie die Grundlage für eine maßgeschneiderte Vertragsgestaltung bildet. Indem man ein detailliertes Verständnis des Unternehmens und seiner Risiken erhält, kann man Verträge gestalten, die diese Risiken minimieren. So wird sichergestellt, dass der Vertrag die spezifischen Bedürfnisse des Einzelfalls berücksichtigt.

Berechnung und Ausgestaltung des Kaufpreises

Die Due Diligence bildet zudem die Basis für die Kaufpreisberechnung und -ausgestaltung. Sie stellt sicher, dass man keine „Black Box“ kauft, indem sie die verborgenen Aspekte des Unternehmens aufdeckt. Eine gründliche Bewertung der finanziellen und operativen Aspekte des Unternehmens führt zu einer angemessenen Kaufpreisfestsetzung.

Mehr als nur Zahlen: Aktiva und Passiva

Ein Unternehmen ist nicht nur eine Ansammlung von Aktiva und Passiva. Es ist ein komplexes Gebilde, das ständigen Veränderungen unterliegt. Die Due Diligence erkennt dies an und berücksichtigt die Dynamik des Unternehmens. Sie geht über die bloße Analyse von Finanzdaten hinaus und bezieht auch andere Faktoren mit ein, die für den langfristigen Erfolg des Unternehmens entscheidend sein können.

Reduzierung des Haftungsrisikos der Geschäftsführung

Nicht zu vergessen ist auch, dass die Due Diligence das persönliche Haftungsrisiko der Geschäftsführung der Erwerbsgesellschaft minimieren kann. Laut Rechtsprechung ist es Teil der Sorgfaltspflicht der Geschäftsführung, eine ordnungsgemäße Due Diligence vor dem Unternehmenskauf durchzuführen. Dies schützt sowohl das Unternehmen als auch die Geschäftsführung vor rechtlichen Konsequenzen.

Infografik
Fünf Vorteile der Due Diligence
🔍
Transparenz
Vollständiger Einblick in Stärken, Schwächen und Risiken des Zielunternehmens
📝
Vertragsgestaltung
Maßgeschneiderte Verträge mit Garantien und Freistellungen auf Basis der Prüfungsergebnisse
💰
Kaufpreissicherheit
Realistische Bewertung statt „Black Box“ – fundierte Grundlage für die Kaufpreisfestsetzung
🏢
Ganzheitliche Sicht
Über Finanzdaten hinaus: Marktposition, Personal, Technologie und operative Dynamik
🛡️
Haftungsschutz
Erfüllung der Sorgfaltspflicht nach § 25 GmbHG – Schutz vor persönlicher Haftung der Geschäftsführung

Die Vielfältigkeit der Due Diligence: Arten im Überblick

Abhängig von der Größe, Struktur und Branche des Zielunternehmens muss der Prüfungsinhalt entsprechend angepasst werden. Die folgenden Bereiche bilden die Kernbestandteile einer umfassenden Due-Diligence-Prüfung.

Legal Due Diligence

Die Legal Due Diligence nimmt eine eingehende Analyse der rechtlichen Aspekte des Zielunternehmens vor. Hierzu gehören die gesellschaftsrechtliche Struktur, die Organe der Gesellschaft, arbeitsrechtliche Aspekte, Verträge mit Kunden und Lieferanten, die Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen und vieles mehr. In Österreich ist besonderes Augenmerk auf die Firmenbucheinträge, das Grundbuch bei Liegenschaftsvermögen und bestehende Aufgriffs- oder Vorkaufsrechte der Gesellschafter zu legen. Wer mehr über die gesellschaftsrechtlichen Grundlagen erfahren möchte, findet auf unserer Schwerpunktseite weiterführende Informationen.

Tax Due Diligence

Die Tax Due Diligence konzentriert sich auf die aktuelle steuerliche Situation des Zielunternehmens sowie die möglichen zukünftigen steuerlichen Entwicklungen. Sie kann als eine Art vorgezogene Betriebsprüfung angesehen werden. In Österreich sind dabei insbesondere die Körperschaftsteuer, die Umsatzsteuer, lohnsteuerliche Aspekte und etwaige offene Verfahren vor dem Bundesfinanzgericht zu prüfen. Bei Share Deals ist zusätzlich die Grunderwerbsteuer relevant, wenn das Zielunternehmen Liegenschaften hält (§ 1 Abs 2a GrEStG).

Financial Due Diligence

Im Rahmen der Financial Due Diligence wird die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage des Zielunternehmens analysiert. Dies ist besonders wichtig für die Berechnung des Kaufpreises und der Kaufpreismodalitäten. Die Prüfung umfasst unter anderem die Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre, Planungsrechnungen, Working-Capital-Analysen und die Bewertung stiller Reserven oder stiller Lasten.

Commercial Due Diligence

Die Commercial Due Diligence bietet eine eingehende Analyse des Geschäftsmodells und des Marktes des Zielunternehmens. Sie prüft insbesondere die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und ist oft eng mit der Financial Due Diligence verknüpft. Geprüft werden Marktanteile, Wettbewerbssituation, Kundenstruktur und die Abhängigkeit von einzelnen Kunden oder Lieferanten.

Technical Due Diligence

Die Technical Due Diligence analysiert den technischen Zustand der Betriebsanlagen des Zielunternehmens, erstellt Prognosen über die verbleibende Nutzungsdauer und überprüft die Qualität der hergestellten Produkte. Bei produzierenden Unternehmen oder Immobiliengesellschaften ist dieser Prüfungsbereich besonders relevant.

Environmental Due Diligence

Die Environmental Due Diligence befasst sich mit der Beurteilung der Umweltrisiken, die das Zielunternehmen mit sich bringt oder denen es ausgesetzt ist. Altlasten, Kontaminierungen und die Einhaltung umweltrechtlicher Auflagen (etwa nach dem Altlastensanierungsgesetz oder dem AWG 2002) können erhebliche finanzielle Risiken bergen.

Compliance Due Diligence

Die Compliance Due Diligence prüft potenzielle Compliance-Risiken und Verstöße des Zielunternehmens, einschließlich Verstöße gegen Wettbewerbs-, Kartell- und Datenschutzrecht sowie Korruptionsdelikte und Geldwäsche. In Österreich ist die Einhaltung des Verbandsverantwortlichkeitsgesetzes (VbVG) von Bedeutung, das juristische Personen für Straftaten ihrer Entscheidungsträger und Mitarbeiter verantwortlich machen kann.

📊 Die sieben Säulen der Due Diligence
Prüfungsbereich Fokus Typische Prüfer
Legal DD Verträge, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Grundbuch Rechtsanwälte
Tax DD Steuerliche Risiken, offene Verfahren, Betriebsprüfungen Steuerberater / WP
Financial DD Vermögens-, Ertrags-, Finanzlage, Working Capital WP / Unternehmensberater
Commercial DD Geschäftsmodell, Markt, Wettbewerb, Kundenstruktur Unternehmensberater
Technical DD Anlagenzustand, Nutzungsdauer, Produktqualität Technische Sachverständige
Environmental DD Altlasten, Umweltauflagen, Kontaminierungen Umweltsachverständige
Compliance DD Kartellrecht, Datenschutz, Korruption, VbVG Rechtsanwälte / Compliance-Berater
Hinweis: Eine optimale Vertragsgestaltung ist nur durch die im Rahmen der Due Diligence gewonnenen Erkenntnisse möglich. Der Prüfungsinhalt muss an Größe, Struktur und Branche des Zielunternehmens angepasst werden.

Full Scope vs. Red Flag: Due-Diligence-Modelle im Vergleich

Im Kontext von Unternehmenskäufen und -investitionen stehen insbesondere zwei Modelle im Fokus: Die „Full Scope Due Diligence“ und die „Red Flag Due Diligence“. Doch was zeichnet diese beiden Optionen aus und wie unterscheiden sie sich?

Full Scope Due Diligence: Die umfassende Prüfung

Bei der Full Scope Due Diligence wird das Zielunternehmen in allen relevanten Bereichen vollständig geprüft. Jeder Vertrag, jede Bilanzposition, jedes Arbeitsverhältnis und jedes potenzielle Risiko wird erfasst und bewertet. Der Ergebnisbericht ist entsprechend umfangreich und bildet die Grundlage für die Kaufpreisverhandlungen, die Vertragsgestaltung und die Integrationsplanung. Diese Variante ist der Goldstandard, erfordert aber mehr Zeit und höhere Kosten.

Red Flag Due Diligence: Identifizierung von Deal Breakern

Das Hauptziel der Red Flag Due Diligence besteht darin, potenzielle Deal Breaker zu identifizieren. Im Gegensatz zur Full Scope Due Diligence wird hierbei auf eine umfassende und erläuternde Darstellung der Unternehmensstruktur verzichtet. Die Red Flag Due Diligence eignet sich besonders dann, wenn aus bestimmten Gründen (beispielsweise aus Zeitgründen) auf eine vollständige Due Diligence verzichtet werden soll.

Kombinationsmodelle: Maßgeschneiderte Lösungen

Selbstverständlich sind auch Kombinationen aus beiden Modellen möglich. In bestimmten Fällen können spezifische Bereiche detaillierter ausgestaltet werden, vor allem wenn sie von besonderer Bedeutung sind oder es Hinweise auf spezifische Risiken gibt. Ein gestaffeltes Vorgehen kann aus Gründen der Effizienz und Kostensenkung vorteilhaft sein. Es ist sinnvoll, zunächst mit einer Red Flag Due Diligence zu beginnen. Wenn keine Deal Breaker ersichtlich sind und der Entschluss zum Kauf des Unternehmens gefestigt ist, kann anschließend in eine Full Scope Due Diligence übergegangen werden.

Vergleich
Full Scope vs. Red Flag Due Diligence
🔬 Full Scope Due Diligence
Umfassende Prüfung

Vollständige Analyse aller Bereiche: Legal, Tax, Financial, Commercial, Technical, Environmental, Compliance. Jeder Vertrag und jede Bilanzposition wird geprüft.

Vorteil: Maximale Transparenz und Verhandlungssicherheit. Dient als Grundlage für Kaufpreisverhandlung und Vertragsgestaltung.
🚩 Red Flag Due Diligence
Fokussierte Risikoprüfung

Konzentration auf potenzielle Deal Breaker und wesentliche Risiken. Verzichtet auf umfassende Darstellung der Unternehmensstruktur. Schneller und kostengünstiger.

Achtung: Geringere Prüfungstiefe kann dazu führen, dass Risiken unterhalb der „Red Flag“-Schwelle unentdeckt bleiben.
💡 Praxistipp: Gestaffeltes Vorgehen
In unserer Praxis hat sich ein zweistufiger Ansatz bewährt: Beginnen Sie mit einer Red Flag Due Diligence, um rasch zu klären, ob grundlegende Deal Breaker vorliegen. Sind keine gravierenden Risiken ersichtlich und verfestigt sich die Kaufabsicht, kann in eine Full Scope Due Diligence übergegangen werden. Dieses Vorgehen spart Kosten und schafft frühzeitig Klarheit.

Due Diligence aus unterschiedlichen Perspektiven

Die Due Diligence wird nicht nur vom Käufer durchgeführt. Auch der Verkäufer kann und sollte eine eigene Prüfung vornehmen. Die Perspektive bestimmt den Fokus und das Ziel der Prüfung grundlegend.

Käufer Due Diligence: Auf der Suche nach Risiken

Die Käufer Due Diligence, auch bekannt als Buyer Due Diligence oder Buy Side Due Diligence, findet statt, wenn der potenzielle Käufer die Prüfung in Auftrag gibt. Dieser Prozess zielt darauf ab, mögliche Risiken zu identifizieren, die den Wert des Unternehmens mindern könnten. Hierbei kann es sich um Faktoren handeln, die vor der Transaktion beseitigt werden müssen oder die während des Verkaufsprozesses angemessen berücksichtigt werden müssen, zum Beispiel durch Garantien oder Freistellungsverpflichtungen. Wenn dabei gravierende Risiken entdeckt werden, können diese Deal Breaker die Verhandlungen sogar zum Scheitern bringen.

Verkäufer Due Diligence: Vorbereitung auf den Verkauf

Die Vendor Due Diligence oder Verkäufer Due Diligence findet vor der Käufer Due Diligence statt und wird vom Verkäufer initiiert. Der Verkäufer strebt mit dieser Prüfung eine objektive Bewertung seines Unternehmens an. Die Identifikation potenzieller Risiken, die den Verkaufsprozess oder den gewünschten Verkaufspreis beeinträchtigen könnten, ist hierbei von großer Bedeutung. Diese Risiken sollten vor der Kontaktaufnahme mit potenziellen Käufern erkannt und beseitigt werden. Zudem kann der Verkäufer durch diesen Prozess wertsteigernde Potenziale erkennen und optimieren.

Die Rolle des Vendor Due Diligence-Berichts

Der VDD-Bericht, oft auch als Fact Book bezeichnet, wird potenziellen Käufern nach Unterzeichnung einer Geheimhaltungsvereinbarung zu Beginn der Verhandlungen vorgelegt. So erhalten sie einen transparenten und fundierten Überblick über das Zielunternehmen. Diese Praxis hat sich in Bieter- und Auktionsverfahren als Standard etabliert.

Durch die Durchführung der Vendor Due Diligence kann der Verkäufer potenzielle Risiken identifizieren und eliminieren, bevor der Käufer sie entdeckt. Auf diese Weise kann er eine effektive Verkaufsstrategie gemeinsam mit seinen Beratern erarbeiten und hat eine klare Verhandlungsposition.

Obwohl der VDD-Bericht von externen Beratern erstellt wird, sollte der Käufer trotzdem eine eigene, wenn auch reduzierte, Prüfung durchführen. Denn es ist wichtig zu verstehen, dass jede Due-Diligence-Prüfung einzigartig ist und bestimmte Aspekte erfordert, die für die spezifischen Bedürfnisse des Käufers relevant sind.

Gegenüberstellung
Buyer Due Diligence vs. Vendor Due Diligence
🛒 Buyer Due Diligence
Käuferperspektive

Ziel: Risiken identifizieren, die den Unternehmenswert mindern

Initiator: Potenzieller Käufer

Zeitpunkt: Nach Letter of Intent / Exklusivität

Ergebnis: Grundlage für Kaufpreisverhandlung, Garantien, Freistellungen

Vorteil: Vollständige Risikoerfassung aus Käufersicht, maßgeschneiderte Prüfung
🏷️ Vendor Due Diligence
Verkäuferperspektive

Ziel: Objektive Bewertung, Schwachstellen proaktiv beseitigen

Initiator: Verkäufer (vor Kontaktaufnahme mit Käufern)

Zeitpunkt: Vor Beginn des Verkaufsprozesses

Ergebnis: VDD-Bericht (Fact Book) für potenzielle Käufer

Hinweis: Hat sich als Standard in Bieter- und Auktionsverfahren etabliert

Ablauf und Dauer einer Due Diligence in Österreich

Der typische Ablauf einer Due Diligence folgt einem strukturierten Prozess, der je nach Transaktionsgröße und Komplexität des Zielunternehmens variiert. In der Praxis dauert eine Due Diligence bei mittelständischen Unternehmen in Österreich zwischen vier und zwölf Wochen.

Ablauf
Der Due-Diligence-Prozess in 6 Schritten
1
Vorbereitung und Planung

Festlegung des Prüfungsumfangs, Auswahl der Berater (Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer), Erstellung der Request List (Dokumentenanforderung an den Verkäufer).

2
Einrichtung des Datenraums

Der Verkäufer stellt die angeforderten Unterlagen in einem virtuellen Datenraum (VDR) bereit. Zugang erfolgt nach Unterzeichnung der Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA).

3
Dokumentenprüfung

Systematische Analyse aller bereitgestellten Unterlagen durch die jeweiligen Fachberater. Identifikation von Risiken, offenen Fragen und fehlenden Dokumenten.

4
Management-Interviews und Vor-Ort-Besichtigung

Gespräche mit der Geschäftsführung und Schlüsselpersonen des Zielunternehmens. Besichtigung der Betriebsstätten, Anlagen und Liegenschaften.

5
Due-Diligence-Bericht

Erstellung des zusammenfassenden Berichts mit Risikobewertung, Empfehlungen und Handlungsvorschlägen. Unterscheidung zwischen wesentlichen Risiken (Deal Breaker) und beherrschbaren Risiken.

6
Umsetzung in der Vertragsgestaltung

Übernahme der Erkenntnisse in den Kaufvertrag: Garantien, Freistellungen, Kaufpreisanpassungsklauseln, Rücktrittsrechte oder Bedingungen für das Closing.

Die Dauer hängt von mehreren Faktoren ab: Wie schnell stellt der Verkäufer die Unterlagen bereit? Wie komplex ist die Unternehmensstruktur? Wie viele Jurisdiktionen sind betroffen? Bei einfachen Transaktionen im Inland kann eine fokussierte Red Flag Due Diligence in zwei bis drei Wochen abgeschlossen werden. Bei grenzüberschreitenden Transaktionen oder Konzernen mit mehreren Tochtergesellschaften sind drei bis sechs Monate keine Seltenheit.

Kosten der Due Diligence: Womit Sie rechnen müssen

Die Kosten einer Due Diligence hängen vom Umfang der Prüfung, der Größe des Zielunternehmens und der Anzahl der eingebundenen Berater ab. Eine pauschale Aussage ist daher nicht möglich, aber die folgenden Richtwerte geben eine Orientierung für den österreichischen Markt.

💰 Kostenrahmen der Due Diligence nach Transaktionsgröße
Transaktionsvolumen Typischer DD-Umfang Geschätzte Kosten
Bis 500.000 € Red Flag (Legal + Tax) 5.000 – 15.000 €
500.000 – 2 Mio. € Fokussiert (Legal + Tax + Financial) 15.000 – 40.000 €
2 – 10 Mio. € Full Scope 40.000 – 120.000 €
Über 10 Mio. € Full Scope + Spezialprüfungen 100.000 € +
Hinweis: Die Kosten variieren stark je nach Komplexität und Branche. Die Werte sind Richtwerte für den österreichischen Markt. Die Kosten der Due Diligence trägt grundsätzlich der Auftraggeber (in der Regel der Käufer).

Die Kosten mögen auf den ersten Blick hoch erscheinen. Gemessen am Transaktionsvolumen und den potenziellen Risiken, die ohne Prüfung unentdeckt bleiben, sind sie aber eine Investition in die Absicherung der Transaktion. Ein nach dem Closing entdecktes Steuerrisiko oder ein verdeckter Rechtsstreit kann ein Vielfaches der Due-Diligence-Kosten ausmachen.

Due-Diligence-Checkliste für den Unternehmenskauf

Die folgende Checkliste gibt einen Überblick über die wesentlichen Dokumente und Informationen, die im Rahmen einer Due Diligence angefordert und geprüft werden. Sie dient als Ausgangspunkt und muss je nach Branche und Transaktionsstruktur (Share Deal oder Asset Deal) angepasst werden.

✅ Checkliste: Unterlagen für die Due Diligence
☑️
Gesellschaftsrechtliche Dokumente – Gesellschaftsvertrag, Firmenbuchauszug, Gesellschafterbeschlüsse, Syndikatsverträge, Aufgriffsrechte
☑️
Jahresabschlüsse und Finanzdaten – Bilanzen und GuV der letzten 3–5 Jahre, aktuelle BWA, Planungsrechnungen, Kreditverträge
☑️
Steuerliche Unterlagen – Steuererklärungen und Bescheide, offene Betriebsprüfungen, Verfahren vor dem BFG, Verrechnungspreisdokumentation
☑️
Wesentliche Verträge – Kunden- und Lieferantenverträge, Miet-/Pachtverträge, Lizenzverträge, Rahmenverträge, Change-of-Control-Klauseln
☑️
Arbeitsrechtliche Dokumente – Dienstverträge (insbesondere Geschäftsführung und Key Persons), Kollektivverträge, Betriebsvereinbarungen, Abfertigungsrückstellungen
☑️
Liegenschaften und Grundbuch – Grundbuchauszüge, Mietverträge, Baubewilligungen, Flächenwidmungsplan, Belastungen und Dienstbarkeiten
☑️
Gewerbliche Schutzrechte – Markenregistrierungen, Patente, Lizenzen, Domainrechte, IT-Verträge
☑️
Rechtsstreitigkeiten – Anhängige und drohende Verfahren, Schiedsverfahren, behördliche Verfahren, Vergleiche der letzten 5 Jahre
☑️
Compliance und Datenschutz – Compliance-Richtlinien, DSGVO-Dokumentation, Verarbeitungsverzeichnis, etwaige Datenschutzvorfälle
☑️
Versicherungen – Übersicht aller bestehenden Versicherungspolicen, Schadensfälle der letzten 5 Jahre, D&O-Versicherung

Österreichische Besonderheiten bei der Due Diligence

Wer eine Due Diligence in Österreich durchführt, muss einige landesspezifische Besonderheiten kennen, die sich von der deutschen oder angloamerikanischen Praxis unterscheiden.

🇦🇹 Österreich-Spezifika in der Due Diligence
Was Sie zusätzlich beachten müssen
1
Firmenbuch statt Handelsregister – In Österreich werden Gesellschaften im Firmenbuch geführt (nicht im Handelsregister wie in Deutschland). Der Firmenbuchauszug ist die zentrale Quelle für gesellschaftsrechtliche Informationen (Gesellschafter, Geschäftsführer, Stammkapital, Prokura).
2
Grunderwerbsteuer bei Share Deals – Seit der GrEStG-Novelle ist bei Anteilsvereinigungen (Erwerb aller Anteile oder wirtschaftliche Beherrschung) Grunderwerbsteuer auf den Grundstückswert fällig (§ 1 Abs 2a GrEStG). Bei Zielunternehmen mit Liegenschaftsvermögen ist die GrESt-Prüfung zwingend Teil der Tax Due Diligence.
3
Notariatsaktpflicht – Die Übertragung von GmbH-Anteilen bedarf in Österreich eines Notariatsakts (§ 76 Abs 2 GmbHG). Das unterscheidet Österreich von vielen anderen Rechtsordnungen und hat Auswirkungen auf den Zeitplan der Transaktion.
4
Aufgriffsrechte und Vorkaufsrechte – Viele österreichische GmbH-Gesellschaftsverträge enthalten Aufgriffsrechte (Abtretungsbeschränkungen nach § 76 Abs 2 GmbHG), die bei einem Anteilsverkauf zu beachten sind. Diese sind im Rahmen der Legal Due Diligence zwingend zu prüfen.
5
Arbeitnehmerübergang (§ 3 AVRAG) – Bei einem Asset Deal gehen die Arbeitsverhältnisse kraft Gesetzes auf den Erwerber über (§ 3 AVRAG). Die arbeitsrechtliche Due Diligence muss alle Dienstverträge, Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen erfassen.
6
Kartellrechtliche Fusionskontrolle – Transaktionen ab bestimmten Umsatzschwellen müssen bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet werden (§ 7 KartG). Die Prüffrist beträgt in der Phase I vier Wochen. Ohne Freigabe darf das Closing nicht stattfinden.

Gerade die Notariatsaktpflicht und die Aufgriffsrechte werden von Käufern, die aus dem deutschen oder angloamerikanischen Rechtsraum kommen, oft unterschätzt. In unserer Praxis sehen wir regelmäßig, dass diese Besonderheiten den Zeitplan der Transaktion beeinflussen und frühzeitig in die Planung einbezogen werden müssen.

Häufige Fehler bei der Due Diligence

Auch bei professionell durchgeführten Transaktionen treten immer wieder typische Fehler auf, die den Erfolg der Due Diligence gefährden. Die folgenden Stolperfallen begegnen uns in der Beratungspraxis am häufigsten.

Keine oder unvollständige Due Diligence
Manche Käufer verzichten aus Zeitdruck oder Kostengründen ganz auf eine Due Diligence oder beschränken sich auf eine oberflächliche Prüfung. Das kann zu erheblichen finanziellen Schäden führen und verletzt die Sorgfaltspflicht der Geschäftsführung nach § 25 GmbHG.
Falsche Beraterauswahl
Wer einen Allgemeinanwalt ohne M&A-Erfahrung mit der Legal Due Diligence betraut, riskiert, dass branchenspezifische Risiken übersehen werden. Jeder Prüfungsbereich erfordert spezialisierte Fachkenntnis.
Erkenntnisse nicht in den Vertrag überführen
Die beste Due Diligence nützt wenig, wenn die identifizierten Risiken nicht in angemessene Vertragsklauseln (Garantien, Freistellungen, Kaufpreisanpassungen) überführt werden. Der Due-Diligence-Bericht muss die Grundlage der Vertragsgestaltung bilden.
Grunderwerbsteuer bei Share Deals vergessen
In Österreich löst der Erwerb aller Anteile an einer grundstückshaltenden Gesellschaft Grunderwerbsteuer aus. Wird dies nicht frühzeitig geprüft, kann eine unerwartete Steuerbelastung die Transaktionskosten erheblich erhöhen.
Aufgriffsrechte und Change-of-Control-Klauseln übersehen
Aufgriffsrechte im Gesellschaftsvertrag können den Anteilsverkauf blockieren. Change-of-Control-Klauseln in wichtigen Verträgen (Mietverträge, Kreditverträge, Lizenzverträge) können bei einem Eigentümerwechsel Kündigungsrechte auslösen. Beides muss frühzeitig identifiziert werden.
💡 Praxistipp: Zeitpuffer einplanen
Planen Sie für die Due Diligence immer mehr Zeit ein, als Sie denken. Der Verkäufer braucht oft länger als vereinbart, um alle Unterlagen bereitzustellen. Nachfragen zu einzelnen Punkten verzögern den Prozess zusätzlich. In unserer Erfahrung sollte der Zeitrahmen mit einem Puffer von 30 bis 50 Prozent kalkuliert werden.

Sonderfall: Due Diligence bei Unternehmensnachfolge

Bei der familieninternen Unternehmensnachfolge wird die Due Diligence oft als überflüssig betrachtet, weil die Beteiligten sich kennen und vertrauen. Das ist ein Trugschluss. Gerade bei Familienunternehmen bestehen häufig gewachsene Strukturen, informelle Vereinbarungen und steuerliche Altlasten, die nur durch eine professionelle Prüfung ans Licht kommen. Auch für die Bewertung im Rahmen einer Schenkung oder eines Pflichtteilsverzichts ist eine ordentliche Due Diligence die Grundlage.

Sonderfall: Grenzüberschreitende Transaktionen

Wenn das Zielunternehmen Tochtergesellschaften im Ausland hat oder der Käufer aus einer anderen Jurisdiktion kommt, steigt die Komplexität der Due Diligence erheblich. Unterschiedliche Rechtssysteme, Steuerregime und Compliance-Anforderungen müssen koordiniert werden. In solchen Fällen wird üblicherweise ein Lead Counsel bestimmt, der die lokalen Berater in den einzelnen Jurisdiktionen koordiniert.

Häufige Fragen zur Due Diligence beim Unternehmenskauf

Wie lange dauert eine Due Diligence bei einem mittelständischen Unternehmen in Österreich?
Bei mittelständischen Unternehmen dauert eine Due Diligence in Österreich typischerweise vier bis zwölf Wochen. Die Dauer hängt vom Prüfungsumfang, der Komplexität der Unternehmensstruktur und der Geschwindigkeit ab, mit der der Verkäufer die angeforderten Unterlagen bereitstellt. Eine fokussierte Red Flag Due Diligence kann in zwei bis drei Wochen abgeschlossen werden.
Wer trägt die Kosten der Due Diligence?
Die Kosten der Due Diligence trägt grundsätzlich der jeweilige Auftraggeber. Bei der Buyer Due Diligence zahlt der Käufer, bei der Vendor Due Diligence der Verkäufer. Es gibt keine gesetzliche Regelung zur Kostenverteilung. In Einzelfällen wird im Letter of Intent vereinbart, dass die Kosten bei Nichtzustandekommen der Transaktion geteilt werden.
Kann ich auf eine Due Diligence verzichten, wenn ich das Unternehmen gut kenne?
Auch bei guter Kenntnis des Unternehmens ist eine Due Diligence dringend zu empfehlen. Zum einen verlangt die Rechtsprechung von der Geschäftsführung der Erwerbsgesellschaft die Einhaltung der Sorgfaltspflicht nach § 25 GmbHG, die eine angemessene Prüfung vor dem Erwerb einschließt. Zum anderen können selbst bei langjährigen Geschäftsbeziehungen steuerliche Risiken, arbeitsrechtliche Altlasten oder verdeckte Verbindlichkeiten bestehen, die nur durch eine systematische Prüfung aufgedeckt werden.

Das Wichtigste auf einen Blick

📌 Das Wichtigste auf einen Blick
1. Die Due Diligence ist kein optionaler Zusatzschritt, sondern Teil der gesetzlichen Sorgfaltspflicht der Geschäftsführung (§ 25 GmbHG, § 84 AktG).
2. Sieben Prüfungsbereiche (Legal, Tax, Financial, Commercial, Technical, Environmental, Compliance) bilden das Fundament einer umfassenden Prüfung.
3. Full Scope und Red Flag sind die zwei Grundmodelle – ein gestaffeltes Vorgehen kombiniert die Vorteile beider Ansätze.
4. Auch der Verkäufer profitiert: Die Vendor Due Diligence stärkt die Verhandlungsposition und beschleunigt den Verkaufsprozess.
5. In Österreich sind Firmenbuch, Notariatsaktpflicht, Aufgriffsrechte und die GrESt bei Share Deals besonders zu beachten.
6. Die Kosten der Due Diligence stehen in keinem Verhältnis zu den Risiken, die ohne Prüfung unentdeckt bleiben können.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Die Rechtslage im Einzelfall hängt von verschiedenen Faktoren ab. Stand: April 2026.

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